Was ist ein Ork??
Zur Erklärung: Wir bewegen uns hier im Bereich der Fantasy, einem Literaturgenre, in dem Magie die uns vertraute Technik ersetzt. Üblicherweise besteht ein mittelalterlicher oder antiker Hintergrund, selten bis nie aber ein real-historischer.
Ein Ork ist ein kulturschaffender (ja, tatsächlich!) Zweibeiner, nichtmenschlicher Abstammung, der sich in diesem Hintergrund bewegt. Nicht mehr und nicht weniger.
Beim Blick ins Detail, sind Orks nicht einmal Fabelwesen, denn im Gegensatz zu Feen, Elfen, Goblins, Zwegen, Trollen, Ogern, Pixies, Kobolden, Redcaps, Lepracauns und was es nicht noch so alles gibt oder geben soll, sind die Orks eine reine Erfindung von J. R. R. Tolkien. Ursprünglich tauchten die gemeinten Wesen als Goblins im "Hobbit" erstmals auf. Im Herrn der Ringe waren diese Wesen dann die Orks und Ihre hochgezüchteten Anverwandten die Uruk Hai. Wir zählen die Orks deshalb zu den "Goblinoiden".
Über sämtliche Rollenspielsysteme hinweg sind die Orks als - meist chaotisches - Sinnbild für den 08/15 Schurken im Fantasy-Genre etabliert worden. Grausamkeit, mindere Intelligenz oder zumindest einfach strukturiertes Denken und Handeln sowie eine tief verwurzelte Feindschaft zu allen anderen "zivilisierten" Völkern, ganz besonders zu Elfen, sind typische Merkmale, mit denen jeder Ork heute sofort belegt wird.
Da wir ganz speziell auch die Kultur der Orks nachspielen wollten, haben wir uns Gedanken gemacht, welche dieser Eigenschaften zutreffen und welche nicht.
Ich möchte hier versuchen anhand von Schlagworten (nicht nur) unsere Orks ins rechte Licht zu rücken.
Orks sind ein Naturvolk
(vgl. moderner Mensch und Neandertaler), das sich an seinen Lebensraum gut angepaßt hat. Entsprechend dieser Voraussetzung ergeben sich folgende Tatsachen:
- Orks weisen im Vergleich zu Elfen und Menschen eine deutlich robustere Körperbauweise auf. Man könnte sagen sie sind zäher als ein durchschnittlicher Mensch.
- Orks haben keine rosige Haut. Sie weisen einen grünen, braunen bis schwarzen Teint auf. Mischtöne sind möglich. Rassen sind dadurch unterscheidbar.
- Wir werden es nicht müde immer wieder zu proklamieren: EIN ORK IST NICHT DUMM! Gewiss, ein Ork würde niemals Quantenphysiker werden, die höheren Weihen der Mathematik niemals begreifen und vor der Mechanik einer Taschenuhr hilflos kapitulieren, er ist jedoch jederzeit in der Lage z. B. eine einfache Falle zu entwerfen um für seinen Unterhalt zu sorgen.
- Jede höhere Lebensform weist einen gewissen Selbsterhaltungstrieb auf und genau dieser Trieb zwingt auch die Orks hin und wieder ihr "Hirnschmalz" zu gebrauchen.
- Faustregeln:
- Ein kluger Ork kann einen dummen Menschen jederzeit über Ohr hauen.
- Kein noch so dummer Ork wird etwas unternehmen, was ihm ganz offensichtlich schadet.
- Orks sind handwerklich in der Lage aus diversen Materialien Gegenstände herzustellen, die sie zum täglichen Leben brauchen, wie zum Beispiel Kleidung aus Fellen, einfache Waffen, Zelte usw... Daß sie damit keinen Preis bei einem Handwerkswettbewerb gewinnen werden steht auf einem anderen Blatt.
- Orks sind Jäger und Sammler. Landwirtschaft ist Ihnen nicht fremd, aber auch nicht geläufig. Sie wissen, daß die Menschen etwas anbauen, ernten und daraus Nahrungsmittel herstellen.
- Orks bauen keine großen Städte. Häuser aus Stein sind eher ungewöhnlich und nicht selbst erstellt. Bei uns sind die Sippen Nomaden, die ihre Zelte in einem unscharf umgrenzten Sippengebiet aufschlagen. Bei Tolkien bewohnen sie Höhlen. Peinkofer erfand das "bolboug". Bei anderen Autoren bewohnen sie Kasernen als Soldaten eines bösartigen Nichtorks.
- Orks sind grausam. Na, das ist natürlich auch Quatsch! Orks sind ein Kriegervolk, ja, aber Orks sind nicht auch grausamer als Menschen es bereits waren.
- Im Mittelalter verbrannten die Leute Hexen.
- Während der französischen Revolution rollten Köpfe wie Murmeln.
- Die Azteken hatten großen Spaß daran Tausenden von Sklaven das Herz aus der Brust zu reißen.
- Ganz zu schweigen von diversen Grausamkeiten, die sich während der beiden Weltkriege zugetragen haben.
- Und schließlich gehört Folter heute noch zu den beliebten Freizeitbeschäftigungen diverser Gefängniswärter "zivilisierter" Länder.
- Aprospos, ich las unlängst, daß Orks das Foltern liebten, und halte das für ausgesprochenen Quatsch. Anhand der oben aufgeführten Punkte wende ich ein, daß Orks und Menschen sich in punkto Foltern nichts schenken. Orks sind von je her eher körperlich als geistig begünstigt, das haben wir ja oben schon diskutiert. Kein Orks dieser oder jener Welt wird sich aber des Morgens aus seinen Fellen erheben und sich fragen wen er denn heute am liebsten foltern könnte. Kriegsgefangene haben nur einen begrenzten Wert. Sie können Informationen liefern, ja, wenn sie aber flüchten, dann können diese nach erfolgreicher Flucht aber auch dem Feind zutragen, dann ist das schlecht für den Stamm. Also wird ein Ork eventuell nicht lange zögern um Informationen mittels körperlicher Gewalt und ihrer Hilfsmittel von einem derartigen Gefangenen zu erhalten. Ein emotional aufgeladener Ork, der unbedingt wissen will, welcher Bedrohung er ausgesetzt ist, welche Hindernisse seine Pläne stören, kann dann mit gewisser Leidenschaft arge körperliche und seelische Grausamkeiten austeilen. Von einem geliebten Hobby möchte ich hier bei weitem aber noch nicht sprechen.
Man könnte sagen, es mangelt den Orks auch an guten Vorbildern.
- Orks mögen keine Elfen. Das ist so auch nicht richtig. Sie müssen nur gut zubereitet sein. In unserem Hintergrund stehen halt Elfen hoch oben auf dem Speiseplan der Orks. So ganz nebenbei konkurrieren beide Völker auch im gleichen Lebensraum.
- Orks sind Tiere: Vollkommener Blödsinn. Von anderen Völkern in die Welt gesetztes Vorurteil, um ein klares Feindbild zu schaffen und das Abschlachten dieses Feindes zu erleichtern. Das Keulen einer Herde Rindviecher mit Rinderwahn verursacht halt nicht so große Gewissensbisse beim Otto-Normal-Elfen/Zwerg/Mensch. Orks sind mindestens genau so viel Tier wie andere Rassen (Z. B. der Mensch, der ja bekanntlich vom Affen abstammt und biologisch zu den Primaten zählt und sich maches Mal auch wie ein solcher aufführt.)
- Es gibt ständig Krieg mit den Orks.
- Ja, sicher - aber wer fängt ihn an?? Diese Frage entspricht der Frage nach dem "Was war zuerst: Henne oder Ei?" (Natürlich war das EI zuerst da, allerdings war es kein HÜHNERei!)
- Ja, sicher - aber Menschen werden auch nicht müde sich gegenseitig aufs Maul zu hauen. Bis heute.
- Wie war das eigentlich mit den weißen Siedlern und den Indianern, als sie nach Amerika kamen?
- Wie war das eigentlich mit den weißen Siedlern und den Schwarzen, als sie nach Afrika kamen?? Stichwort Kolonien!?
- Wie war das eigentlich mit den weißen Siedlern und den Aborigines, als sie nach Australien kamen?
Wir wollen mit dieser Zusammenstellung keinesfalls üble Taten einzelner Orks rechtfertigen. Allerdings soll dies ein Anstoß sein auch mal die Dinge von der anderen Seite zu betrachten.
Orks und Religion
In vielen Büchern die von oder über Orks erzählen, gibt es Hinweise, daß auch Orks religiös sind. Diese Tatsache wird auch von "führenden Orkhassern" und sonstigen "Leuten, die es wissen müssen" so beschrieben und akzeptiert. Diese Tatsache unterstreicht den kulturschaffenden Charakter der Uruk und entfernt sie weiter vom Tier. In den Beschreibungen gibt es eher selten besondere Priester, heilige Orte jedoch sind schon möglich, Rituale treten sicher gehäuft auf, der Glaube ist aber mit Sicherheit sehr naturbezogen, gemäß den oben angeführten Punkten. Sehr häufig wird ein Ahnenkult vorgefunden, berühmte Orks werden mit ihren herausragenden Eigenschaften idealisiert (...der Schlächter, ...der Säufer, ... die alte Giftmischerin). Aspekte, die wichtig für das überleben in der Wildnis wichtig sind finden dabei einen großen Anklang (...der Jäger). Die Entstehung von Religion bei den Orks läßt auch interessanterweise auf eine gewisse Reflexion über das eigene Dasein schließen (wer macht die Welt, alles geht mal kaputt, was ist wenn die Welt kaputt geht, was war bevor die Welt gemacht wurde?). Führt man all dies zusammen, so kommt ein interessanter und bunter Geister- und Ahnenkult hervor, den auch wir in unserer Gruppe nachzuspielen versuchen.
Wird fortgesetzt..... Wieder reinschauen lohnt sich.......
Max
